MÖDLINGER STADTVERKEHRSMUSEUM

A - 2340 Mödling,
Tamussinostraße 3

Wir ehren die Toten:

In Memoriam Harald Herrmann 19. Juli 1929 – 30. Juli 2016

Wenige Tage nach seinem 87. Geburtstag hat uns mit Harald einer der treuesten Fans der Wiener Straßenbahn für immer verlassen.
Er war darüber hinaus ein großer Freund aller Schienenfahrzeuge und vieler Autobusse, eine Leidenschaft, die er mit seinen schon vor ihm verstorbenen Freunden Alfred Laula, dem großartigen Zeichner, und Kurt Ernst, dem engagierten Fotografen und Modellbauer, geteilt hat.

Harald hat über Jahrzehnte ein geradezu gewaltiges Archiv aufgebaut. Ob eigene- oder Fremdfotos, Zeichnungen und Schriftverkehr, sowie auch Waggonteile wie Schilder etc. hat er der Nachwelt hinterlassen. „Seine" Themen waren neben der Wiener Strassenbahn auch die Badnerbahn und die Strassenbahnbetriebe der k. u. k. Donaumonarchie. Auch als Buchautor hatte er Erfolg.

Harald war von kerniger Wesensart, nie um einen manchmal kräftigen Spruch verlegen. Das wissen alle, die ihn kannten. Sie wissen aber auch, dass er sein Archiv schon zu Lebzeiten den daran Interessierten geöffnet hat. Es gibt heute vermutlich keine einzige Sammlung von Bildern der alten Wiener Strassenbahn, in der sich keine Herrmann- oder Ernst-Fotos finden. Leidtragende seiner Sammelwut waren nur die Fußböden seiner beiden Wohnungen, die einiges auszuhalten hatten.

Harald, Dein Platz in der Hall of fame der Straßenbahnfreunde ist Dir sicher!

Du wirst uns fehlen!

Peter Standenat, im August 2016-08-01

 

 

Bild 1: zeigt Harald „in action". Für ein gutes Foto kann man schon mal das Dach eines m2/3-Beiwagens erklettern! Um 1976. Bild 2: Harald 1995 am Tag der Präsentation des aufgearbeiteten SP 6045 in der Zentralwerkstätte der Wiener Linien. Wie zu sehen ist, hat er Freude am restaurierten Wagen!
 
   

 

 

Bild 1: zeigt Harald „in action". Für ein gutes Foto kann man schon mal das Dach eines m2/3-Beiwagens erklettern! Um 1976.

 

 

 

Ing. Eugen Chasteler
1950 – 2014

 Ein Nachruf von Peter Standenat

Das Mödlinger Stadtverkehrsmuseum hat einen schweren Verlust zu beklagen. Am 10. Juli ist unser Vereinsmitglied Eugen Chasteler nach schwerer Krankheit verstorben.

Ich habe Eugen 1987 kennengelernt, als er den Wagen „2340“ (ex k3 1619) der Mödlinger Bürgergarde betreute. Er war von Anfang an Feuer und Flamme für die Idee, in Mödling ein eigenes Verkehrsmuseum aufzubauen. Er war somit einer der Männer „der ersten Stunde“ unseres Vereins und hat schon vor der Gründung viel für unsere gemeinsame Idee getan. Und als es nach drei Jahren Probleme mit dem damaligen Kassier gegeben hat, war er sofort zur Stelle, um dieses manchmal (eher: häufig!) undankbare Amt zu übernehmen. 23 Jahre lang hat er mit unermüdlichem Fleiß und nie versagender Kraft zum Erfolg unseres Museums beigetragen. So verdanken wir seiner Hartnäckigkeit und seinem Verhandlungsgeschick unter anderem unser Magazin in Hallennähe und unser Vereinslokal im alten 360er-Bahnhof Mödling. Gemeinsam haben wir manch kritische Klippe umschifft, wobei sich unsere Aufgabenteilung immer bewährt hat: er war für die Vereinsangelegenheiten verantwortlich und hat mir so den Rücken für die Arbeiten an diversen Ausstellungen und Büchern freigehalten. Eugen war die „Seele“ unseres Vereins und hinterlässt eine Lücke, die nur sehr, sehr schwer zu schließen sein wird! Unsere Anteilnahme gilt seiner Witwe Beatrice, die auch sehr viel für unseren Verein getan hat.

Lieber Eugen, wir werden Dich nicht vergessen!  

Peter Standenat

Obmann
Mödlinger Stadtverkehrsmuseum

Alfred Rosenkranz
(1915 – 1998)

Ein Nachruf von Dr. Peter Standenat

Wenn wir heute sehr sehr viel über das historische rollende Material der Wiener Straßenbahn wissen, so haben wir das neben August Dollinger vor allem einem Mann zu danken: Alfred Rosenkranz, ein Lehrer, der es durch sein Lebenswerk ermöglicht hat, daß heute die Waggons von einst in unglaublicher Genauigkeit dokumentiert werden können.

Von den frühen 30er-Jahren an bis fast wenige Wochen vor seinem Tod hat er mit bienenhaftem Fleiß unermüdlich an „seiner“ großen Sache gearbeitet.

Die Voraussetzungen:

a)     
es gab jahrzehntelang keinerlei der breiten Öffentlichkeit zugänglichen Publikationen über die Wiener Straßenbahn, ein Interessent mußte also sozusagen bei „0“ starten.
b)     
Es gab zwar Archive, aber lange Zeit keine für ihn nutzbaren Kopiertechnologien. Es hieß also: abschreiben, abschreiben und noch einmal abschreiben, …
c)     
Um sein Wissen zu erwerben, mußte er also jahrzehntelang Woche für Woche in die Direktion der Wiener Straßenbahn marschieren, dort Informationen sammeln und notieren und die solcherart beschriebenen Zettel und Schreibbücher in seine legendäre Aktentasche stecken. Daheim mussten die diversen Handschriften dann mit der Schreibmaschine in die richtige Form gebracht werden.

Solcherart entstanden unter anderem seine berühmten „Bestandsbücher“, die heute Gott sei Dank erhalten sind. Das im Verlag Slezak erschienene und heute längst vergriffene „Listenbuch“ gibt diese detailtreu mit diversen Farben und Stempeln liebevoll ausgeführten Bücher in keiner Weise wieder, was rein kaufmännische Ursachen gehabt haben dürfte.

Und später, als es den historischen „Wagenpapieren“ der Wiener Fahrzeuge an den Kragen gehen sollte, fand er Mittel und Wege, diese in Sicherheit zu bringen und damit der Nachwelt zu erhalten. Weitaus die meisten dieser Papiere von nach dem 31.1. 1945 ausgeschiedenen Wagen sind so heute noch vorhanden.

Darüber hinaus enthält sein Nachlaß eine Fülle anderer Ordner wie z.B. Statistiken über Werbeplakate an Straßenbahnwagen, an W/ab W- Aufstellungen und etliches mehr.

Ein reicher fotografischer Nachlaß rundet sein Lebenswerk ab.

Ich habe Alfred Rosenkranz erst im Herbst seines Lebens kennengelernt. Er war von Anfang an aufgeschlossen und hilfsbereit, er war immer und uneingeschränkt bereit, sein Wissen und seine diversen Unterlagen auch weiterzugeben. Vor allem in der Erstellung meiner G/G1-Ordner mit den unzähligen Wagenumnumerierungen hat er mir sehr geholfen.

So wird sein Name auch nach seinem Tode für immer untrennbar mit der Dokumentation des Wagenparks der Wiener Straßenbahn verbunden bleiben. Wir, die wir ihn noch gekannt haben, wissen, was wir ihm zu verdanken haben und bewahren ihm ein ehrendes Andenken.

Bild: 23. 08. 1961, Altlagerplatz Simmering. Alfred Rosenkranz sehen Sie hier neben einem zur Verschrottung bestimmten Kobel-G. Im Wagen ein Bediensteter an der Kurbel und der greise Vater von Rosenkranz.

Foto: Archiv Alfred Rosenkranz