MÖDLINGER STADTVERKEHRSMUSEUM

A - 2340 Mödling,
Tamussinostraße 3

Wir ehren die Toten:

Alfred Rosenkranz
(1915 – 1998)

Ein Nachruf von Dr. Peter Standenat

Wenn wir heute sehr sehr viel über das historische rollende Material der Wiener Straßenbahn wissen, so haben wir das neben August Dollinger vor allem einem Mann zu danken: Alfred Rosenkranz, ein Lehrer, der es durch sein Lebenswerk ermöglicht hat, daß heute die Waggons von einst in unglaublicher Genauigkeit dokumentiert werden können.

Von den frühen 30er-Jahren an bis fast wenige Wochen vor seinem Tod hat er mit bienenhaftem Fleiß unermüdlich an „seiner“ großen Sache gearbeitet.

Die Voraussetzungen:

a)     
es gab jahrzehntelang keinerlei der breiten Öffentlichkeit zugänglichen Publikationen über die Wiener Straßenbahn, ein Interessent mußte also sozusagen bei „0“ starten.
b)     
Es gab zwar Archive, aber lange Zeit keine für ihn nutzbaren Kopiertechnologien. Es hieß also: abschreiben, abschreiben und noch einmal abschreiben, …
c)     
Um sein Wissen zu erwerben, mußte er also jahrzehntelang Woche für Woche in die Direktion der Wiener Straßenbahn marschieren, dort Informationen sammeln und notieren und die solcherart beschriebenen Zettel und Schreibbücher in seine legendäre Aktentasche stecken. Daheim mussten die diversen Handschriften dann mit der Schreibmaschine in die richtige Form gebracht werden.

Solcherart entstanden unter anderem seine berühmten „Bestandsbücher“, die heute Gott sei Dank erhalten sind. Das im Verlag Slezak erschienene und heute längst vergriffene „Listenbuch“ gibt diese detailtreu mit diversen Farben und Stempeln liebevoll ausgeführten Bücher in keiner Weise wieder, was rein kaufmännische Ursachen gehabt haben dürfte.

Und später, als es den historischen „Wagenpapieren“ der Wiener Fahrzeuge an den Kragen gehen sollte, fand er Mittel und Wege, diese in Sicherheit zu bringen und damit der Nachwelt zu erhalten. Weitaus die meisten dieser Papiere von nach dem 31.1. 1945 ausgeschiedenen Wagen sind so heute noch vorhanden.

Darüber hinaus enthält sein Nachlaß eine Fülle anderer Ordner wie z.B. Statistiken über Werbeplakate an Straßenbahnwagen, an W/ab W- Aufstellungen und etliches mehr.

Ein reicher fotografischer Nachlaß rundet sein Lebenswerk ab.

Ich habe Alfred Rosenkranz erst im Herbst seines Lebens kennengelernt. Er war von Anfang an aufgeschlossen und hilfsbereit, er war immer und uneingeschränkt bereit, sein Wissen und seine diversen Unterlagen auch weiterzugeben. Vor allem in der Erstellung meiner G/G1-Ordner mit den unzähligen Wagenumnumerierungen hat er mir sehr geholfen.

So wird sein Name auch nach seinem Tode für immer untrennbar mit der Dokumentation des Wagenparks der Wiener Straßenbahn verbunden bleiben. Wir, die wir ihn noch gekannt haben, wissen, was wir ihm zu verdanken haben und bewahren ihm ein ehrendes Andenken.

Bild: 23. 08. 1961, Altlagerplatz Simmering. Alfred Rosenkranz sehen Sie hier neben einem zur Verschrottung bestimmten Kobel-G. Im Wagen ein Bediensteter an der Kurbel und der greise Vater von Rosenkranz.

Foto: Archiv Alfred Rosenkranz